Montag, 30. Mai 2011

Intimität und Verlangen - David Schnarch

„Intimität ist ebenso wie sexuelles Verlangen ein System. Intimität beinhaltet, dass Sie den eigenen Geist im Beisein Ihres Partners spiegeln und gleichzeitig zulassen, dass auch Ihr Partner ihn spiegelt.Vom Zustand der Vier Aspekte der Balance hängt ab, wie viel tiefgehende Intimität Sie zulassen können.“

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Doch wie lässt sich Intimität gerade auf einer solchen Ebene herstellen und vor allen Dingen dauerhaft aufrecht erhalten? Was sind die Spielregeln des Systems der sexuellen Leidenschaft und wie können sie beherrscht werden?

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Ausgehend von den vier Aspekten der Balance, also Nähe und Verbundenheit auf der einen sowie Freiheit und Selbstbestimmung auf der anderen Seite, nähert sich der Autor den Themenfeldern, die in einer Beziehung eine zentrale Rolle spielen. Was heißt es, dem Partner zuhören zu können? Wie kann man eine funktionsfähige Beziehung führen oder den Konflikt zwischen Bindung und Autonomie überwinden? Die Leser erhalten auf solche und ähnliche Fragen detaillierte Antworten, Hilfestellungen und Veranschaulichungen an konkreten Beispielen der Paartherapie. Viele Dinge kommen einem dabei bekannt vor und bieten darüber hinaus die Möglichkeit, die eigene Beziehung in all ihren Höhen und Tiefen zu reflektieren oder aber auch kritisch zu hinterfragen. Ebenso wie das Verhalten der vorgestellten Personen in den Beispielen analysiert wurde, darf das jeweils eigene Verhalten gedeutet werden. Damit wäre der erste Schritt zur Erkenntnis bzw. Besserung getan.

Positiv zu bewerten ist außerdem, dass schwierige Fälle besprochen werden, die etwa mit Ehebruch, Monogamie oder einzelnen Affären zusammenhängen. Umfangreiche Lösungsvorschläge bieten hier Hilfe.

Besonders interessant sind die Erläuterungen zum Unterschied zwischen Lust, romantischer Liebe und Bindung oder die Strategien, um die eigene Kitzligkeit zu überwinden und dadurch neues sexuelles Potential zu entdecken.

Hochinteressant und wissenswert ist zudem die Einführung in das Prinzip der kollaborativen Allianz, deren Ziel es ist, die jeweils positiven Seiten des Partners zu fördern.

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Neben all diesen sinnvollen Ratschlägen im zwischenmenschlichen Bereich darf allerdings nicht vergessen werden, dass eine Partnerschaft nur dann gelingen kann, wenn beide Pole über ein gesundes Selbstbild verfügen. Ein instabiles Selbstempfinden führt häufig zu Problemen innerhalb der Beziehung. Daher werden Tipps zur Angstregulation gegeben und Hilfestellungen angeboten, die ein positives Selbstbewusstsein fördern sollen, fernab von der Abhängigkeit von anderen Meinungen bzgl. des eigenen Selbst.

Informationen über Therapieangebote und umfangreiche Bibliographien am Ende des Buches bieten zu den jeweiligen Themen interessante Lektüretipps zur genaueren Beschäftigung mit dem gewünschten Thema.

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Fazit: David Schnarchs Erfolge im Bereich der Paartherapie werden durch die Beschäftigung mit dem Text spürbar. Das Buch bietet Einblicke in Psychologie, Lebenshilfe sowie Psychotherapie und ist ein empfehlenswerter Ratgeber für Partnerschaften, Beziehungen und die individuelle Entwicklung.


5 Sterne!




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