Samstag, 14. Mai 2011

Ein Garten am Meer - Bertina Henrichs


„Man wurde melancholisch. Die erzwungene Untätigkeit verleitete dazu, Bilanz zu ziehen. Man war nicht mehr so sicher, obman die Bretagne liebte, ob man seine Lebensgefährtin liebte, ob man die richtige Wahl getroffen hatte. (...) jeder dachte an etwas anderes und wollte nicht derjenige sein, der den Tag verdarb.“
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An der Atlantikküste der Bretagne liegt das idyllische Dorf Plouerbec. Romantische Naturanordnungen von Felsen, Meer und Strand zusammen mit dramatischen Lichtspielen, die etwa bei Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang zu beobachten sind, machen den kleinen Ort zu einer perfekten Erholungsstätte. Die Bewohner genießen diese Idylle, gezeichnet von einem ruhigen Leben in Plouerbec und dem freundschaftlichen Miteinander der einzelnen Menschen. Alles scheint perfekt bis zu dem Tag der bitteren Erkenntnis. Denn plötzlich steht der Bau eines großen Freizeitparks unmittelbar bevor, der alles bisher Gewohnte zunichte macht.
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Marthe Simonet lebt nach dem Tod ihres Mannes alleine in dem großen Haus. Ihre Kinder sind bereits erwachsen und führen ein eigenständiges Leben. Dennoch ist es ihr gelungen, ihren Lebensmut zu bewahren. Marthe ist ein herzensguter Mensch, ist sozial engagiert und hilft Kindern in der Kirchengemeinde bei den Schulaufgaben. Der Bau des Parks kommt nicht nur für sie, sondern für ihre gesamte Nachbarschaft völlig unvorbereitet. Auch für Hans Scharnbeck, ihr introvertierter Nachbar, die junge Bibliothekarin Virginie oder ihre beste Freundin ist es ein Schock.
Die schlechte Nachricht erreicht ihren Höhepunkt, als die Bewohner freundlich dazu aufgefordert werden, ihre Häuser zu verkaufen, um Platz für den Park zu schaffen.
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Allmählich kommt es nun zu Veränderungen in dem kleinen Dorf. Gegen diese Ungerechtigkeit gilt es anzukämpfen. Frohen Mutes schließen sich die Betroffenen zusammen, gründen einen Verein, sammeln Unterschriften für eine Petition, machen erste Touristen auf die ganze Sache aufmerksam und schrecken letzten Endes auch vor Sabotage und einem Anwalt nicht zurück. Alle haben ein Ziel vor Augen, welches es zu erreichen gilt.
Durch dieses gemeinsame Ziel entstehen neue Freundschaften, verschiedene Generationen arbeiten tatkräftig zusammen, allen Gefahren wird getrotzt und neue Erkenntnisse entstehen. Mit der Zeit entstehen nicht nur äußerliche Neuerungen durch die Baustelle, vielmehr entwickeln sich auch die einzelnen Personen weiter. So lernt Hans den Umgang mit anderen Menschen und auch Marthe erlangt neues Selbstbewusstein. Am Ende werden Beziehungen neu geordnet, Eltern müssen Trennungsschmerzen von ihren erwachsen gewordenen Kindern verarbeiten und eigene Prinzipien überdacht werden.
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Der Text ist eine berührende Geschichte über die enorme Kraft des Zusammenhalts, der Hoffnung und der Zielstrebigkeit. Bertina Henrichs, deren Debütroman bereits verfilmt wurde, schreibt sehr eindrucksvoll. Beim Leser entstehen lebendige, spannende Bilder durch einen kunstvollen Umgang mit Sprache. Die parallelen Einblicke in die verschiedenen Charaktere, ihre Ängste und Hoffnungen, ihre Vergangenheit und Zukunft, sind hochinteressant und dürfen genossen werden!
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Fazit: Ein Text, der einem Urlaub gleicht. Leicht und dennoch gewinnbringend, poetisch und realitätsnah zugleich, aufrüttelnd und gewinnbringend. Die perfekte Strand- oder Urlaubslektüre!

5 Sterne!

Und ein herzliches Dankeschön an Hoffmann und Campe!

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