Samstag, 2. April 2011

Modernes von Skarabaeus



"lichtflackern-
einen moment lang nicht mehr wissen, wo bild wo ton wo du wo ich wo anfang wo ende, wo links und rechts"

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"Manchmal lüge ich und manchmal nicht" ist eine Sammlung moderner Prosastücke, verfasst von der 1992 geborenen Nadja Spiegel, die bereits mehrfach Auszeichnungen für ihre literarische Arbeiten erhielt. Vielleicht ist es gerade ihre Jugendlichkeit, die die Texte so besonders macht.
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Die Erzählungen handeln von Alltagserlebnissen in Schule, Freundeskreis und Familie, geschildert in abstrakter Wortwahl. Dabei wird ganz bewusst auf eine korrekte Orthographie und Syntax verzichtet. Der komplette Text kommt beispielsweise ohne die Beachtung der Regel zur Großschreibung von Nomen aus. Zusätzlich verkürzte Sätze, Ellipsen oder in Gegensatz dazu lange Aufzählungen verleihen den Erzählungen einen unverwechselbaren Charakter. Welche Situationen und Gefühle jeweils beschrieben werden, gilt es herauszufinden. Das Lesen wird zu einer abenteuerlichen Reise in die Emotions- und Erfahrungswelt der jungen Autorin. Die Bandbreite der Erlebnisse ist hierbei äußerst vielfältig und schließt sowohl positive Dinge wie das Verliebtsein, den Aufbau von Freundschaften und vertrauensvollen Beziehungen zu Verwandten als auch Negatives wie etwa Gefühle der Machtlosigkeit, Sorgen, Ängste oder auch Krankheiten mit ein.
Gerade durch das freie Spiel mit Semantik und Syntax wird die Beschäftigung mit diesem Text zu einer abwechslungsreichen, spannenden Angelegenheit.
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Fazit: Aktuelle Erzählungen, verfasst durch die Kunst modernen Schreibens.

5 Sterne!

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Das Leben als Barcode
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Lorma Marti präsentieren uns in diesem interessanten Werk eine künstlerische Zusammenstellung potentieller Ausgaben. Dazu zählen unverzichtbare Dinge wie Nahrung und Kleidung, größere Anschaffungen wie eine angemessene Kücheneinrichtung, Schmuck oder gar einen Ferrari bis hin zu zahlreichen Aufenthalten in mehreren Luxusuhotels. Die Auflistung bezieht sich jeweils auf einer Doppelseite auf einen Monat, beginnend im Jahr 2000 bis einschließlich 2007. Für den Leser ist es spannend zu entdecken, welche Dinge hier konsumiert wurden. Oft findet man dabei Gegenstände, die in einer persönlichen Auflistung der Ausgaben ebenfalls auftauchen würden oder die man sich bei dem ein oder anderen Luxusgut vielleicht genau dort wünschen würde, wenn man über das nötige Kleingeld verfügen würde.
Um nicht von der eigentlichen Botschaft abzulenken, wurde in dem Buch ganz bewusst auf eine Angabe der Seitenzahlen verzichtet. Die Schriftgröße variiert von Seite zu Seite. Der erste Teil besteht aus der Aneinanderreihung der Ausgaben, im zweiten Teil folgt ein Barcode auf den nächsten. Da es sich bei diesem Werk um eine Anlehnung an die Beilage "how to spend it" der englischen Financial Times handelt, wurden alle Ausgaben auf Englisch angegeben. Als Währung findet man sowohl Euro als auch Pfund.
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Hier wird keine Geschichte vermittelt, sondern eine Botschaft. Was kostet das Leben? Was wünschen wir uns? Wofür geben wir unser Geld aus?
Die Antwort ist ein verwirrendes Durcheinander an Worten, Zahlen und Barcodes. Hier drängt sich die Frage auf, ob der konsumierende Mensch dadurch glücklich werden kann oder ob es vielmehr nicht doch einen höheren Sinn im Leben geben muss.
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Fazit: Moderne Kunst in Buchform, die zum Nachdenken anregt.

4 Sterne!



Ein herzliches Dankeschön geht an Skarabaeus!

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