Samstag, 19. März 2011

Wunderbares Krimivergnügen!

Die folgenden beiden Neuerscheinungen des Haymon Verlags werden alle Krimifans lieben!
Stadt der Schmerzen - Edith Kneifl

„Er schmeckt sein eigenes Blut. Die Faust seines Gegners hat ihn mitten ins Gesicht getroffen, seine Oberlippe ist aufgeplatzt.“
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Der Prolog setzt ein mit der detaillierten Schilderung der grausamen Ermordung eines Mannes. Spannung und gleichzeitiges Entsetzen wird ausgerechnet mit Cavaradossis großartiger Arie „E lucevan le stelle“ verbunden. Ein planvoll inszenierter Mord, der die gestörte Psyche des Täters deutlich macht, bis schließlich die qualvollen Schreie des Opfers die Gesänge des Tenors übertönen.
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Katharina Kafka wird von ihrem Freund Orlando gebeten, ihn zur Beerdigung seines Vaters nach Florenz zu begleiten. Die junge Kellnerin und ehemalige Studentin der Geschichte und Kunstgeschichte schlägt ihm diese Bitte natürlich nicht aus. Auf der italienischen Beerdigung kommt es später zu einem skurrilen Zwischenfall, denn ausgerechnet hier muss die gesamte Verwandtschaft erfahren, dass Riccardo, den sie unter den Anwesenden vermissten, brutal ermordet und im Kühlhaus des Metzgers aufgefunden wurde. Somit folgt auf das traurige Ereignis ein weiterer Schock. Riccardo ist Orlandos Onkel, weswegen der lustige Transvestit mit einer Vorliebe für den Sissi-Look beschließt, in dieser Sache eigene Ermittlungen anzustellen. Katharina, die mit Orlando bereits in Wien einen Mord aufdecken konnte, möchte ihm dabei helfen.
Die beiden forschen nun in Orlandos Familiengeschichte und decken so manches düsteres Geheimnis auf, wozu z.B. Kontakte zur Mafia und Verstrickungen in den Mädchenhandel gehören. Werden Katharina und Orlando die Flut an Informationen ordnen und den Fall aufdecken können? Es bleibt spannend.
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Die Protagonistin schildert die Erlebnisse aus der Ich-Perspektive. Ihre eigene Meinung wird dem Leser nicht vorenthalten.
Edith Kneifl, die sowohl im Bereich der Psychoanalyse als auch als freie Schriftstellerin tätig ist, wurde bereits mehrfach für ihre gelungenen Kriminalgeschichten ausgezeichnet, u.a. mit dem Glauser-Preis für den besten deutschen Kriminalroman. Eines ihrer Werke existiert als erfolgreicher Film. Das Buch ist angenehm lesbar, der Schreibstil sehr lebendig und trägt wesentlich zum Aufbau von Spannung bei. Als Leser wird man regelrecht hineingezogen in die Geschichte und möchte so schnell wie möglich herausfinden, was hier wirklich geschehen ist. Besonders interessant sind einzelne Schwarz-Weiß-Illustrationen, die Landschaften aber auch Kunstgegenstände der Stadt Florenz zeigen. Die italienische Stadt mit ihrer atemberaubenden Schönheit ist eine gut gewählte Kulisse und stellt einen Kontrast zu dem erschütternden Mordfall dar.
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Fazit: Edith Kneifl schuf mit „Stadt der Schmerzen“ eine überzeugende Kriminalgeschichte, die man gerne liest und mit Spannung verfolgt. Die Autorin wurde völlig zu Recht ausgezeichnet. Ich würde gerne mehr von ihr lesen.



Zwölf mal Polt - Alfred Komarek

“Mord und Totschlag“, sagte Polt beeindruckt. „In einer Stunde gibt’s frische Blutwurst.“
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„Zwölf mal Polt“ ist eine Zusammenstellung einzelner Kriminalerzählungen, die besser nicht hätte sein können. Einsetzend mit dem Beginn der Karriere des jungen Inspektors Simon Polt kann der Leser eine Vielzahl weiterer spannungsreicher Geschehnisse rund um das Wiesbachtal mitverfolgen bis hin zu seinen späteren Erlebnissen im Ruhestand.
Ebenso werden allmählich Freunde und Bekannte des Inspektors vorgestellt. Seine unterschiedlichen Charaktereigenschaften werden dem Leser ebenfalls nach und nach offenbar. Der sensible, gerechtigkeitsliebende Polt ist ein sympathischer Protagonist, dessen packende Fälle gerne verfolgt werden. Jeder einzelne davon zeichnet sich durch einen hohen Spannungsbogen aus.
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Der Schreibstil des Autors ist einzigartig. Freunde des Wiesbachtals sowie des österreichischen Dialekts werden die Geschichten lieben. Komarek versteht es, die beschriebene Handlung in seinen Worten lebendig werden zu lassen. An vielen Stellen darf man sich als Leser über Elemente des Witzes und der Ironie freuen, durch die das Lesen besonders genossen werden kann.
Aus diesem Grund gehört „Eine Ewigkeit Belichtungszeit“ zu einer meiner liebsten Erzählungen des Bandes. Es geht um eine Leiche, die vom Totengräber Bär gefunden wird und auf rätselhafte Weise in einem Grab gelandet ist. Grandios ist die Beschreibung des
Anfangs der Erzählung:
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„Heute nahm er die Abzweigung nach links und ließ seine Blicke gemächlich über Häuser und Felder hin zur Friedhofsmauer schweifen. Wirklich, es war eine Lust zu leben. Dieser Sommermorgen gab sich aber auch alle Mühe. Der noch hellblaue Himmel glänzte wie frisch gewaschen...“
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Alfred Komarek erhielt bereits zahlreiche Auszeichnungen. Seine Figur des Inspektors Simon Polt ist völlig zu Recht zu einer Kultfigur der deutschsprachigen Kriminalliteratur geworden. Mehrere Erzählungen des Autors wurden mittlerweile verfilmt.

5 Sterne für beide Bücher!

Ich bedanke mich herzlich bei Haymon für die Bereitstellung dieser beiden Rezensionsexemplare!

Kommentare:

  1. Ich bin auf deinem Blog gelandet und möchte dir gern diesen Award da lassen.
    Einen neuen Leser hast du nun auch :-)
    LG HANNE
    http://lesegenuss.blogspot.com/2011/03/stylish-blogger-award.html

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  2. Tolle Rezis zu interessanten Büchern!

    Lg, Sabine

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  3. "Stadt der Schmerzen" habe ich hier auch noch liegen! Das zweite Buch hert sich auch wirklich sehr spannend an. Ich wünsche dir ein tolles Wochenende, liebe Sophia

    glg, Tanja

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