Montag, 10. Januar 2011

Zeitgenössischer Satanismus in Deutschland - Dagmar Fügmann



"Zeitgenössischer Satanismus in Deutschland" ist die Dissertation der Würzburger Religionswissenschaftlerin Dagmar Fügemann. In einer detaillierten Recherche setzt sie sich mit Weltbildern, Paradigmen und Konzepten von Einzelpersonen auseinander, die einer satanistischen Gruppierung angehören oder sich selbst als Satanisten bezeichnen. Den Forschungsgegenstand bilden also zeitgenössische Formen des Satanismus, die seit Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden sind. In einer sozialempirisch, religionssoziologischen Vorgehensweise wurden gezielt Fragebögen erstellt, sowie Entwürfe für Einzelinterviews. Ziel dabei war es, die Mitglieder selbst zu Wort kommen zu lassen und exemplarische Meinungsäußerungen bzgl. Wertorientierungen und Wertvorstellungen, kurz ihrer Lebensrealität zu erhalten, jenseits der gängigen Vorstellungen zum Thema Satanismus. Untersucht wurden u.a. die religiöse Biografie, die religiöse Praxis, demographische Angaben und allgemeine Aussagen zum Satanismus.
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Satanismus wird im öffentlichen, medialen Diskurs als durchweg negativ konnotiert. So verbindet jeder bei dem Gedanken daran fast schon automatisch Friedhöfe, Blut trinken, schwarze Messen, rituelle Morde oder Teufelsanbetungen.
Satanismus gilt als das Böse, als "Gefahr für Individuum und Gesellschaft".
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Mit diesen und weiteren gängigen (Vor-) Urteilen rechnet die Autorin ab. Sie stellt verschiedene Formen des Satanismus vor, so erhalten die Leser beispielsweise Einblicke die Church of Satan oder Gruppierungen wie Temple of Set und In Nomine Satanas. Interessant sind die Lehren dieser Gruppen, die anhand einiger Textbeispiele vorgestellt und erläutert werden. Daran schließt sich ein Diskurs über Religion, Gesellschaft und Werte im Allgemeinen an. Auch die Auswertung des Fragebogens mitsamt der Antworten der Befragten ist lesenswert.
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Fazit:
Dagmar Fügmann widerlegt mit dieser Untersuchung die gängigen Vorurteile, Satanisten seien kaltherzige Menschen, die nur das absichtsvolle Tun des Bösen im Sinn haben. Dennoch sollte man sich davor hüten, die gesammelten Ergebnisse zu pauschalisieren, vor allem vor dem Hintergrund, dass es sich hierbei nur um offiziell anerkannte Formen des Satanismus handelt und weniger um Untergrundorganisationen. Auch die Tatsache, dass alle Gruppierungen des Satanismus gängige Teufelssymbole ( z.B. Baphomet) verwenden, sei es zur bewussten Abgrenzung der allgemeinen Werte der Masse oder zur reinen Provokation, birgt Gefahren.
Die Autorin stellt ein einseitiges, harmloses Bild vor und versäumt dabei auf die negative Seite aufmerksam zu machen, auf kleinere Gruppen oder Sekten.

3 Sterne!

Ich bedanke mich bei Tectum!

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