Montag, 6. September 2010

Engel des letzten Tages - Michal Viewegh


Der Engel Uriel berichtet von seinen Erfahrungen mit den Menschen. Er beobachtet sie zusammen mit Jophaniel, Hachamel, Ilmuth und Nith - Haiah kurz vor ihrem Tod. Es wird philosophiert über spezielle Verhaltensformen, Gefühle und Beweggründe für verschiedene Handlungen. Vieles ist dabei für die Engel nicht nachvollziehbar. Dennoch möchten sie den Menschen die letzten Augenblicke ihres Lebens versüßen und Hinterbliebene bei der Trauerbewältigung unterstützen.
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Erzählt wird beispielsweise die Geschichte von Karel, einem Fahrschullehrer, der in kurzer Zeit sterben wird. Als Leser taucht man nicht nur in seine Gefühlswelt ein, sondern auch in die seiner Frau, die Berufe der Beiden und ihre Sorgen und Probleme. Zusätzlich werden weitere Akteure vorgestellt: Ein Selbstmörder oder eine trauernde Witwe, die jeden Lebenssinn verloren hat. Interessant ist, dass sie alle miteinander verbunden sind.
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Obwohl es um ein ernstes Thema geht, enthält das Buch humorvolle, ja sogar ironische und zynische Passagen, die teilweise von schwarem Humor gefärbt sind.
Zusätzlich regen viele einzelne Textstücke zum Nachdenken an:
"Der Tod von jedem, der uns nahe steht, nimmt einen Teil von uns weg (...). Nach außen hin sehen wir normal aus, aber in Wirklichkeit sind wir nur bewegliche Rümpfe"
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Interessant sind auch die Diskussionen der Engel über Gott:
"Die oft so diskutierte göttliche Barmherzigkeit besteht vor allem darin, dass Er mehrere Milliarden Menschen in einer absoluten Ahnungslosigkeit hält: Er lässt sie in Ruhe einkaufen, mit der Ehefrau streiten, politische Fraktionen gründen oder Bowling spielen. Falls es Gott wirklich gibt, ist er barmherzig; ein wirklich grausamer Gott würde die Menschen sehend werden lassen."
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Fazit: Ein sehr interessanter Text über die Engel des letzten Tages.

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